Bayern München erfüllt die Pflicht ohne Kür

Der Rückstand des FC Bayern auf Tabellenführer Dortmund wird zu Beginn der Rückrunde nicht anwachsen

Bayern München erfüllt die Pflicht ohne Kür

Spieltags fest. Aber wirklich überzeugt hat der FCB in Hoffenheim nicht.Drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit war die Partie entschieden: Robert Lewandowski drückte eine Flanke von Thomas Müller aus knapp sieben Meter zum 3:1-Entstandüber die Linie. Doch so überlegen, wie es das Ergebnis glauben machen könnte, war der Auftritt des FC Bayern München bei 1899 Hoffenheim nicht. Kurz vor dem Treffer von Lewandowski hatte Adam Szalai den Ausgleich auf dem Kopf.

Hoffenheim überlässt den Gästen das Feld

Der Rückrundenauftakt der Bayern war in gewisser Weise ein Abbild ihrer bisherigen Saison: Nach einem starken Start folgte ein Einbruch und schließlich dank eins Kraftakts doch noch ein versöhnlicher Abschluss. Die Münchner dominierten zunächst die Partie, was allerdings auch dem ängstlichen Auftritt der Gastgeber geschuldet war. Nach den ersten 45 Minuten lag die Zweikampfquote der Hoffenheimer bei ganz schwachen 33 Prozent.

Da war leicht aufspielen für das Team von Trainer Niko Kovac, der zunächst auf Innenverteidiger Jérôme Boateng, Flügelspieler Serge Gnabry und Offensivkünstler James Rodriguez verzichtete. Im Bayern-Mittelfeld gaben zunächst Javi Martinez, Thiago und Leon Groretzka den Takt vor – und letztere avisierte dabei mit einem Doppelpack sogar zum Matchwinner.

Nagelsmann: Wir hatten zu viel Respekt

Zunächst war der 23-Jährige einem von TSG-Keeper glänzend parierten Lewandowski-Kopfball im Nachschuss zur Stelle (34. Minute). In der Nachspielzeit grätschte er einen Konter – nach einer Hoffenheimer-Ecke – zum 2:0-Pausenstand ins Netz. "Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war sensationell. Das ist unser Anspruch", sagte Kovac nach dem Spiel, sprach damit aber nur die halbe Wahrheit aus.

Richtig war nämlich auch die Analyse von Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann: "In der ersten Halbzeit hatten wir zu viel Respekt vor den Bayern, nach der Pause haben wir den Respekt abgelegt und viel besser und mutiger gespielt." Das hatte sicherlich auch mit der taktischen Umstellung zu tun, die Nagelsmann seinem Team in Hälfte zwei verordnete: Der schwache Abwehrchef Kevin Vogt rückte ins defensive Mittelfeld, aus der Dreier-Abwehrkette wurde eine Viererkette.

Bayern verliert nach der Pause die Kontrolle

Die Folge: Hoffenheim kam deutlich besser ins Spiel – und mit der Bayern-Herrlichkeit war es plötzlich vorbei. Die Gäste wirkten unkonzentriert und leisteten sich leichte Fehler. Ein Ballverlust von Thiago in der eigenen Hälfte hätte acht Minuten nach dem Wiederanpfiff schon fast zum Anschlusstreffer geführt: Joelinton zwang Neuer zunächst zu einer Glanztat, im Nachschuss verfehlte Kerem Demirbay das Tor nur knapp.

Sechs Minuten später hieß es dann doch 2:1: Niko Schulz schloss einen Konter nach einer Bayern-Ecke bedrängt von David Alaba aus 16 Metern ganz stark ab. Der gesamte Angriff war fast eine Kopie des zweiten Goretzka-Treffers. Zwar gelang es den Bayern in der Folge, die Partie wieder zu beruhigen, aber die Hoheit über das Geschehen hatten sie nicht mehr. Zudem verspielten sie einige vielversprechende Konterchancen.

Salihamidzic: Das darf uns nicht passieren

Am Ende durften sich die Bayern bei Keeper Neuer bedanken, dass er gegen Szalai die Führung rettete. "Das darf uns nicht passieren, da haben wir auf der Bank gezittert", gestand Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Das Team habe zwei Gesichter gezeigt: "Die erste Hälfe haben wir alles im Griff gehabt, die zweite Halbzeit war schwierig."

Matchwinner Goretzka stellte fest: "Es war sehr wichtig, dass wir gut in die Rückrunde starten. Wir haben das Ziel, Meister zu werden, das ist gar keine Frage." Der Bayern-Sieg setzt Borussia Dortmund erst einmal unter Zugzwang: Bei einer Niederlage zum Rückrundenauftakt in Leipzig wären die Münchner plötzlich auf drei Punkte ran am Spitzenreiter.

Ein 3:1-Auftaktsieg macht noch keine Saison

Allerdings: Auch zum Saisonauftakt startete der FCB mit einem 3:1-Erfolg gegen Hoffenheim – und ließen dann im Saisonverlauf nach und viele Tore und Punkte liegen. Den Beweis, dass sie wieder zu alter Stärke zurückgefunden haben, haben die Bayern mit dem Erfolg gegen Hoffenheim jedenfalls noch nicht erbracht.
Autor: Wulf Wilde