Deutschland als Gruppensieger im WM-Halbfinale

Die deutschen Handballer ziehen bei der Heim-Weltmeisterschaft ungeschlagen in die K.

Deutschland als Gruppensieger im WM-Halbfinale

o.-Runde ein. Gegen Europameister Spanien kassieren sie jedoch unnötig viele Tore. Ein Nachrücker gibt einen überzeugenden Einstand.Er ist der Frischling, der Nachrücker: Tim Suton. Seine deutschen Nationalmannschaftskollegen sind bereits seit knapp zwei Wochen im Turnier, haben sich durch engagierte Mannschaftsleistungen vorzeitig für das Halbfinale der Handball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Er, Suton, ist erst seit zwei Tagen dabei, nachdem sich der Spielmacher der Deutschen, Martin Strobel schwer am Knie verletzt hat. Im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien, dem ersten WM-Spiel in seinem Leben, spielt Suton so, als wäre er von Anfang an Teil dieses Teams, als ob er jedes Wochenende vor 20.000 lärmenden Deutschland-Fans spielen würde.

Vier Tore wirft der 22-Jährige beim 31:30 (17:16)-Sieg. Dabei zeigt der Rückraumspieler genau das, was Bundestrainer Christian Prokop von ihm erwartet. "Er geht im Angriff mit 100 Prozent Einsatz ins Eins-gegen-Eins und schafft Lücken für sich und die Nebenleute", so Prokop über den Deutsch-Kroaten. "Er behält immer die Übersicht und scheut sich nicht, Verantwortung in Stresssituationen zu übernehmen."

Suton enstammt einer Handballer-Familie. Sein Vater war Nationalspieler von Bosnien-Herzegowina, später trainierte er Mannschaften in Deutschland. Tims älterer Bruder ist ebenfalls Handballer, in der ersten niederländischen Liga.

Gerade in der ersten Halbzeit, als die beiden deutschen Torhüter wenige Bälle parieren konnten und die Abwehrspieler teilweise unkonzentriert agierten, traten Suton und der zum "Player of the Match" gewählte Fabian Böhm selbstbewusst auf. Beide erzielten bis zur Pause jeweils drei Treffer.

"Es war ein super Einstand vor so einer Kulisse", erklärte Suton nach der Partie im Fernsehsender ARD. Beim Spiel zuvor gegen Kroatien saß er auf der Tribüne und musste mit ansehen, wie Teamkollege Strobel unter großen Schmerzen mit einer Trage aus der Halle gebracht wurde. Später am Abend kam der Anruf des Bundestrainers. "Tim hat mit uns den kompletten Vorbereitungslehrgang absolviert, ist zum Schluss leider rausgefallen. Er war mit dem Gedanken immer mit dem Team. Er kennt alle Abläufe und ist charakterlich ein toller Typ."

Angetrieben von dem sich deutlich steigernden Torwart Silvio Heinevetter und einer deutlich verbesserten Abwehr führte Deutschland durch Finn Lemkes erstes Turniertor und Sutons vierten Treffer in der 41. Minute zeitweise sogar mit vier Toren (23:19).

Trotz seines jungen Alters verfügt Suton bereits über eine große Bundesliga-Erfahrung. Als 16-Jähriger lief er für den Zweitligisten HG Saarlouis auf und feierte zeitgleich mit den Jugendauswahlmannschaften des DHB große Erfolge. Den endgültigen Durchbruch schaffte der Mann mit dem Vollbart bei den Rhein-Neckar Löwen, derzeit spielt er für den TBV Lemgo Lippe.

Noch vor zweieinhalb Monaten, so schien es für Suton, war an die Weltmeisterschaft nicht zu denken: eine OP am Fußgelenk – mit ungewissem Heilungsverlauf. Nach fünf Wochen jedoch stand Suton wieder auf dem Feld. Und kämpft jetzt mit der Nationalmannschaft um den WM-Titel. Dafür muss am Freitag (20:30 Uhr MEZ) zunächst ein Sieg gegen die Norweger her.
Autor: Sarah Wiertz