Wütender Zverev scheitert an Raonic

Nach Angelique Kerber scheidet auch Alexander Zverev im Achtelfinale der Australian Open aus.

Wütender Zverev scheitert an Raonic

Bei seiner klaren Niederlage gegen Milos Raonic helfen dem Weltranglistenvierten auch seine Wutausbrüche nicht.Er hörte erst auf, seinen Schläger auf den Boden zu schmettern, als der Rahmen endlich in kleine Teile zersplittert war. Zwar wurde Alexander Zverev mit seinem Wutausbruch zur gut geklickten Kuriosität der sozialen Netzwerke, die Wende zum Guten im Achtelfinale der Australian Open brachte Deutschlands bestem Tennisspieler seine Eruption aber nicht. Mit 1:6, 1:6 und 6:7 (5:7) unterlag Zverev dem Milos Raonic aus Kanada und zeigte dabei insgesamt eine schwache Leistung. Nicht einmal zwei Stunden brauchte der Kanadier, um den letzten im Turnier verbliebenen Deutschen rauszuwerfen.

Tags zuvor war bereits Wimbledonsiegerin Angelique Kerber sang- und klanglos im Achtelfinale gescheitert. "Angie hat es gestern gesagt: Es gibt solche Tage, an denen nichts geht", sagte Zverev nach seiner Niederlage und analysierte frustriert: "In den ersten zwei Sätzen hatte ich keine Ahnung, wie man einen Tennisball überhaupt ins Feld spielt." Zverev erlebte damit die nächste Grand-Slam-Enttäuschung. Nach dem Triumph beim ATP-Saisonfinale im November in London und der guten Vorbereitung mit Coach Ivan Lendl hatte er auf den Durchbruch bei einem der vier wichtigsten Turniere des Tennisjahres gehofft. Doch damit muss sich Zverev nun mindestens bis zu den French Open im Frühjahr gedulden, wo er 2018 mit dem Einzug ins Viertelfinale sein bislang bestes Resultat bei den vier Majorturniere erzielen konnte.

Ballkinder leben gefährlich

Dabei hatte das Match gegen den früheren Wimbledonfinalisten Raonic eigentlich nach Zverevs Geschmack begonnen: Dem 21-Jährigen gelang gegen den gefürchteten Aufschläger sofort ein Break - dann brach er aber völlig zusammen. "Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass es ein schwieriger Tag werden wird", sagte Zverev. Nach den ersten fünf Spielen schmiss er zum ersten Mal frustriert seinen Schläger, Lendl beobachtete die Szene ohne sichtbare Regung. Nach den Doppelfehlern Nummer sechs und sieben zum 1:4 im zweiten Satz rastete Zverev dann völlig aus, ein Ballkind brachte sich lieber in Sicherheit, Lendl nippte kurz an seiner Wasserflasche. "Das hätte ich vielleicht schon nach dem ersten Satz machen sollen. Irgendwann muss man alles rauslassen", sagte Zverev.

Im dritten Satz fand der Weltranglistenvierte etwas besser in die Partie und war Raonic nun ein ebenbürtiger Gegner. Zverev wehrte beim Stand von 4:5 Raonics erste Matchbälle ab, führte im Tiebreak dann sogar mit 4:2, verpasste jedoch die Wende. "Dass ich im dritten Satz überhaupt so weit gekommen bin, ist ein Riesenwunder gewesen", sagte Zverev, der seiner kleinen Chance auf den Satzanschluss jedoch nicht hinterhertrauerte. Das Match, dessen war er sich sicher, hätte er an diesem Tag nie und nimmer gewonnen.

Zwei Tschechinnen im Viertelfinale

Mit der zweimaligen Wimbledonsiegerin Petra Kvitova und Karolina Pliskova stehen zwei Spielerinnen aus der Tschechischen Republik in der Runde der besten Acht. Pliskova gewann mit 6:3, 6:1 gegen die ehemalige Wimbledon- und French-Open-Siegerin Garbine Muguruza aus Spanien. Kvitova hatte sich gegen die US-Amerikanerin Amanda Anisimova mit 6:2 und 6:1 durchgesetzt.

Zuvor waren bereits US-Open-Siegerin Naomi Osaka aus Japan und die Ukrainerin Jelina Switolina weitergekommen. Kvitova spielt nun gegen die australische Lokalamatdorin Ashleigh Barty, zudem trifft die Russin Anastassija Pawljutschenkowa auf Angelique Kerbers Bezwingerin Danielle Collins aus den USA.

asz/ck (sid, dpa)